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Erlebnisse einer einjährigen Weltreise.

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Ab in den Süden

hinzugefügt von Kilian am 23 Nov 2009 um 13:02
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Mittlerweile sind wir im südlichsten Teil Argentiniens angekommen. Leider hat man beim Reisen (vor allem bei weiten Distanzen) so wenig Zeit übrig am Rechner zu sitzen. Deshalb kommt hier die Zusammenfassung der letzten Tage, Wochen, wer weiß das schon?!


Also zunächst die Salzwüste:

Es war eine gebuchte Tour über drei Tage. Wir wurden am Hostel abgeholt und fuhren mit Fahrer und vier hauptsächlich spanisch sprechenden jungen Leuten los. Wer glaubt, das wäre die Chance Spanisch zu lernen, denkt wie wir, täuscht sich aber. Die Vier (zwei Jungs, zwei Mädels) hatten sich gerade kennen gelernt, fanden sich sehr attraktiv und hatten gar nicht die Zeit viel mit uns zu sprechen.

Die Salzwüste war eine endlose weiße Fläche. Ehemals war es ein riesiger See oder Binnenmeer. Durch Austrocknung reicherte sich das Salz so an, dass es nun eine 50 cm dicke Salzschicht bildet. Unter der Salzschicht sollen noch mehrere Meter Wasser bis zum Boden folgen. Das Spektakuläre ist die endlose Weite, wenn man bis zum Horizont nur weiß und blau sieht oder weit weg sich Berge deformiert in der heißen Bodenschicht spiegeln. Innerhalb der Wüste stehen mehrere Inseln. Auf diesen Inseln wachsen bis zu 1000 Jahre alte Kakteen. Der Boden der Inseln ist deutlich maritim, man kann Korallen und andere Strukturen erkennen, die sonst nur unter Wasser zu finden sind. Die Inseln waren ursprünglich auch ein Teil der Unterwasserwelt des Binnenmeers.

Am Ende des Tages haben wir in einer aus Salz errichteten (außerhalb des Nationalparks aufgebaut) Unterkunft übernachtet. Das Salz wird einfach in Ziegel geschnitten und damit werden die Häuser am Rande der Wüste gebaut. Wichtig sind in der Gegend die “Hier nicht Pinkeln”-Schilder. Es scheint Brauch zu sein einfach überall hinzupinkeln, dass macht in einer Wüste, die aus weißem Salz besteht natürlich speziell da, wo sich alle versammeln großen Schaden (gelber Schnee ist deutlich schneller weg).

Eine Art Mondlandschaft bot sich uns am zweiten Tag. Wir fuhren mit dem Toyota-Jeep teilweise durch ausgetrocknete Canyons bis auf eine Höhe von 5000 m. Hier gibt es kleinere Wüsten, Hochebenen und alles wird gesäumt mit aktiven und erloschenen Vulkanen. Auf 5000 m in der Nähe des Äquators ist es kalt und die Sonne verbrennt einen gleichzeitig wie einen Vampir. Die Vulkane haben, die hier entstandenen Seen mit Mineralien angereichert. Teilweise meterdick schichtet sich Borax in den Lagunen und macht den Anschein von schwimmenden Eisbergen. Durch Algen und Mineralien haben die Lagunen unterschiedliche Farben und sind bevölkert von riesigen Flamingokolonien. Die Flamingos dort oben zu sehen war ein wenig befremdlich, da man diese Vögel irgendwie in warmen Gefilden erwartet. Übernachtet haben wir in einem Dörfchen innerhalb des Nationalparks, hier tummelten sich Lamas, die wir mit etwas Geduld anlocken und füttern konnten.

In der Nähe der chilenischen Grenze hat ein chilenischer Vulkan ein Geysirfeld in Bolivien entstehen lassen. Hier ist nichts abgezäunt wie im Yellowstone. Hier muss man selber aufpassen auf welche Minenfelder man sich begibt. Morgens früh, vor dem Sonnenaufgang, brachen wir auf, um die Dampfschwaden der Geysire in den ersten Morgenstrahlen sehen zu können. Die Temperaturen waren dabei deutlich unter Null, da selbst in dem aufgeheizten Gebiet in der Nähe der Geysire das heiße Wasser wieder gefroren war. Nachdem wir viel zu lange alles betrachtet haben und der Rest der Gruppe hupend im Auto auf uns wartete, ging es weiter zur heißen Lagune in der wir schwimmen sollten. Die heiße Lagune entpuppte sich als eine große Badewanne, die voll mit Insassen aus bestimmt 20 Jeeps war (und das außerhalb der Hauptsaison). Zum Glück lief viel Wasser über, so dass das Wasser in der Badewanne relativ frisch erschien und man sich rein trauen konnte. Nach einem Frühstück ging es dann in der spektakulär außerirdischen Landschaft acht Stunden zurück in die Stadt. Auf dem Weg sahen wir einen LKW, der Fahrer war von der Straße abgekommen und machte nicht den Anschein als hätte ihn das wirklich aufgeweckt.

P.S. nach der Tour waren wir alle sechs wieder vermehrt auf der Toilette zu sehen...
 

Der Wechsel nach Argentinien:

Von Uyuni reisten wir über die Grenze nach Salta in Argentinien. Und es war toll! Der Müll am Straßenrand wurde immer weniger. Das Essen war wieder richtig lecker und zwar so gut wie immer.

Außer viel zu essen und ein wenig die Stadt anzusehen haben wir nicht viel in Salta gemacht. Nächste Station sollten die Iguacu Wasserfälle sein.

Die Iguacu-Wasserfälle erreichten wir nach einer durchfrorenen Nacht in einem Reisebus der bei 30 Grad Außentemperatur den Innenraum konsequent auf 16-17 Grad runter kühlte. Voller Vorfreude standen wir am nächsten Morgen fast als erste am Eingang und warteten bis die Kasse aufmachte. Da man, wie es in der Touristen-Information hieß, nur hier die Tickets kaufen konnte waren wir schon froh als erste in den Park zu dürfen. Um 8 Uhr öffnete der Park, aber an der Ticket-Kasse war noch niemand zu sehen. Fast pünktlich um 8 hielt ein Reisebus nach dem anderen und alle hatten einen Guide und alle hatten Tickets. Also waren wir lange nicht die Ersten. Da sich diese Reisebusgruppen aber immer auf wenige Quadratmeter zusammen drängeln, konnte man so einfach in andere Richtungen gehen und dem größten Trubel gut entkommen. Wir haben viele Echsen gesehen, kleine Varane und Nasenbären, die Wasserfälle hatten gut Wasser und waren sehr beeindrucken (Bilder sagen mehr). Die Bootstour war ATEMBERAUBEND, da es wirklich fast unter einen kleinen Fall ging, man in das kühle Wasser eintauchte nur noch weiß sah und fast zur Schnappatmung überging.
 

Buenos Aires:

Ein Hostel in bester Lage, etwas chaotisch aber für gerade mal 5 €/Person im Doppelzimmer. Ein Restaurant direkt unter dem Hostel, in dem man Frühstücken und Abendessen kann, dass richtig leckeren Kaffee und die besten Medialunas überhaupt backt, was will man mehr?
Buenos Aires ist, wie viele sagen, die wahrscheinlich schönste Stadt Südamerikas, in der jeden Tag bis nach 24 Uhr alle unterwegs sind und man überhaupt kein schlechtes Gefühl hat im Dunkeln unterwegs zu sein, vor allem weil niemand wirkt als wäre er unzufrieden. Viele sehenswerte Ecken, Plazas und Stadtteile haben uns die Tage, wirklich kurzweilig gestaltet. Die Möglichkeit alle Vorzüge einer Stadt ohne die finanziellen Nachteile genießen zu können, macht Vorfreude auf die Wiederkehr zu Silvester. Schade, dass wir diese tolle Stadt keinem zu Hause wirklich zeigen können!
 

Weiterfahrt in den Süden:

Nachdem man für Busse recht viel Geld ausgibt, eh immer krank von den Klimanalagen wird und wir gern mal anhalten, wo andere dran vorbeifahren oder hinfahren wo andere nicht hin wollen, haben wir uns in Buenos Aires ein Auto gemietet. Ein kleiner Suzuki Fun alles andere wäre für zwei Monate für uns nicht bezahlbar. Das Auto ist eigentlich ein alter Corsa von Chevrolet für den südamerikanischen Markt aufgepeppt. Es verbraucht mindestens sieben Liter und gönnt sich bei Wind auch mal fast zehn. Der Tank reicht so teilweise nicht mal bis 500 km; bei teilweise 300 km ohne Tankstellen haben wir uns zehn Liter extra in Kanistern in den Kofferraum gestellt, seitdem sind wir immer high beim Autofahren.

Wir haben endlose Buschlandschaften gesehen, versteinerte Bäume, Nandus, Guanakos, haben am Strand übernachtet und mussten nach Regenfallen bangen und Rallye fahren um wieder auf die normale Straße zu kommen. Haben Wale beobachtet, sind an Stränden spaziert wo vorher keiner war, haben u.a. Zähne von Seelöwen und Haiköpfe gefunden. Irgendwann sind wir dann in Ushuaia der südlichsten Stadt der Welt angekommen. Wir haben mehr Schnee als wir im November in Deutschland je hatten und gleichzeitig scheint die Sonne (sehr oft, den Rest der Zeit regnet es). Es ist nach langer Zeit wieder Wald hier - Wald, Seen und schneebedeckte Berge - wow! Die Vögel zwitschern, die Blumen blühen, und im Hafen liegen Expeditionsschiffe aus der Antarktis. In mancher Hinsicht ist es eine andere Welt, wenn man aber die Leute sieht, hier in den Supermarkt geht oder über die Einkaufsstraßen läuft ist es wieder die selbe Welt.


Morgen fahren wir wieder nach Norden durch die Berge, wo es wärmer wird und es viele weitere Schätze Argentiniens und Chiles zu entdecken gibt.

P.S. Weihnachtsstress haben wir noch keinen, ist auch nicht sehr weihnachtlich hier.

Viele liebe Grüße an alle Daheim gebliebenen!!!

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