.:. Reiseberichte ..........................................................................................................................................
America del Sur |
| hinzugefügt von Kilian am 06 Jan 2010 um 20:16 |
Ich beginne mit dem Ende unserer Patagonien-Reise:
Da wir unser Auto abgeben mussten wollten wir die letzte Nacht etwas näher an Buenos Aires verbringen - das Problem dabei war, dass wir uns auf unserer Strecke außerhalb der Touri-Gebiete befanden und somit kaum Campingplätze zu finden waren. Laschi hatte vorher gegoogelt und so fanden wir, nachdem wir in einem Mini-Mercado noch etwas zu essen gekauft hatten, den See samt Campingplatz. Die Straße dahin war zum Glück trockener Matsch - denn schließlich hatten wir unserem Mietauto gerade für 50 Pesos = 10 Euro (1h) eine Innen- und Außenwäsche verpassen lassen - und wir wurden von zwei argentinischen Gauchos mit typischen Baskenmützen und Zahnlücken empfangen.
Bezahlen mussten wir soviel, wie für unser Hostel in Buenos Aires aber dafür gab's ja den See... Da es draußen super heiß war zogen wir uns direkt um und liefen zum See... und dann liefen wir in den See... und liefen und liefen... ähnlich wie der Salt Lake in USA war der See ziemlich flach und auch ein bisschen salzig und ein bisschen arg grün! Eklig grün! Schnell raus, kalt duschen und dann ganz schnell anziehen, denn sonst kommen die Mücken! Trotz der Hitze wurde also mit langen Hosen und langärmeligem Hemd gekocht und gegessen.
Das Wetterleuchten am Horizont ließ nichts Gutes erwarten und wir bauten unser Zelt dementsprechend in Schieflage auf... irgendwann fing es dann auch an zu regnen, diesmal aber stand unser Zelt tatsächlich besser als beim letzten Mal, denn wir hatten kein Wasser unterm Zelt und auch nicht im Vorzelt.
Dafür tummelten sich in unserem Vorzelt ungefähr hundert Mücken, die bei dem Wetter scheinbar auch keine Lust hatten draußen auf Blutsuche zu gehen. Mussten sie aber auch gar nicht, denn mitten in der Nacht stand plötzlich der Schäferhund des Gauchos in unserem Vorzelt, dass wir wegen der Hitze etwas offen gelassen hatten. Nach dem ersten Versuch den Hund wieder raus zuschmeißen hatten wir dann die Hälfte der Mücken im Innenzelt und der Hund war 5 Minuten später auch wieder da - er drückte sich einfach unter der Zelttür drunter durch. Nichts zu machen, also einfach weiterschlafen!
Eine Weile später waren zu dem einen Hund noch zwei halbwüchsige dabei gekommen - nun schliefen also ein ausgewachsener Schäferhund, ein halbjähriger Schäferhund und ein halbjähriger Labrador in unserem Vorzelt. Die vielen Mücken konnten sich so an den Hundis auslassen, doch von meiner Hand, die beim Schlafen an die Zeltwand kam, konnten sie trotzdem nicht ablassen - das Resultat sind 12 Mückenstiche an der rechten Hand - „Michelinhand“, wie Laschi sie nun nennt ;-) Der Anblick aus unserm Zelt auf die drei friedlich schlafenden Hundis und die hundert Mücken zusammen mit dem Sound des prasselnden Regens ließ uns dennoch schmunzelt - irgendwie kurios, oder?
Am nächsten Morgen wollte der Regen nicht aufhören und die Hundis nicht aus dem Zelt... während wir auf Toilette gingen, krochen sie wieder zurück ins Vorzelt - wir mussten sie quasi aus dem Zelt zerren, um es abbauen zu können.
Ziemlich nass wurde alles im Auto verstaut und wir entschieden uns einen Tag früher nach Buenos Aires zu fahren, da der Regen nicht aufzuhören schien und die Campingplätze nur noch rarer werden würden.
Die Rückfahrt vom Campingplatz auf die normale Straße über die nun nicht mehr trockene sondern matschige Straße war noch mal ein Erlebnis... doch wir blieben nicht stecken und der Regen würde den Schlamm vom Auto schon wieder abwaschen...
Hat fast geklappt, aber die Autos in Buenos Aires waren doch etwas sauberer und die Vermieter staunten nicht schlecht, als sie das Auto zu Gesicht bekamen.
Bei einem Blick auf den Kilometerstand mussten sie auch einsehen, dass ihr neues Auto kein neues Auto mehr ist:
aus den vorher 365 km waren 11369 km geworden und somit die erste Inspektion fällig - ziemlich genau 11000 km sind wir in sechseinhalb Wochen durch Patagonien und sogar bis ans Ende der Welt gefahren!
Naja, zurück zur Autoabnahme: Ein wichtig aussehender Mann mit grimmigem Gesicht beschaute sich das Auto viel zu gut von allen Seiten, doch der Dreck überdeckte bestimmt noch ein paar Kratzer und hätte beinahe sogar die Beule an der Fahrertür verdeckt. Diese, wahrscheinlich durch eine andere Autotür und von uns definitiv nicht verursachte Beule, wurde nach einer Probefahrt leider doch noch entdeckt und kostete uns zusätzliche 200 Euro. Die Windschutzscheibe und der reparierte Reifen müssen ausgetauscht werden und kosten zusammen 250 Euro - dieses Auto mieten war echt teuer! Das nächste mal mieten wir wieder bei einem größeren Unternehmen, wo bei der Rückgabe nicht so genau hingeschaut wird! Schwamm drüber, kann man nichts machen...
Jetzt sind wir in Buenos Aires und erst mal "Zuhause", weil wir schon alles kennen. Unser Hostel-Zimmer hatten wir reservieren lassen, allerdings erst für eine Nacht später und somit war aufgrund der Feiertage nichts mehr frei. Wir fragten in allen Hostels in der Umgebung, doch alle waren belegt... schließlich fanden wir doch noch eins - und bezahlten das doppelte, wie in unserem reservierten. Mit diesem Hostel hatten wir auch echt Glück!
Bei der Ankunft in Buenos Aires hatten wir uns ein Hostel aus dem Lonely Planet rausgesucht und ließen uns per Taxi hin kutschieren. Das beschriebene Hostel existierte nicht mehr, dafür gab es ein anderes, das war aber voll, ein Geschoss drüber befand sich aber schon das nächste... da der Preis für uns in Ordnung war (nicht teurer als in den argentinischen Städten bisher) entschieden wir uns einfach zu bleiben - später mussten wir feststellen, dass beinahe alle Hostels, sogar die in kleinen Städten in Patagonien teurer sind als dieses!
Die Aussicht vom Balkon kennt ihr ja (Video), die Toiletten sind nicht so der Hit, doch das Beste an diesem Hostel ist sowieso die Lage: nämlich direkt über der Pizzeria "La Continental", in der es den besten Kaffee und die besten Medialunas in ganz Argentinien (also das beste Frühstück) und die allerbesten Empanadas gibt. Empanadas sind Teigtaschen gefüllt mit zum Beispiel Käse und Zwiebeln (Qüso y Cebolla) oder Käse und Schinken (Qüso y Jamon), sie werden heiß gegessen, so dass der Käse noch weich ist - mjam mjam - da krieg ich doch schon wieder Hunger :-)
Ein weiterer Vorteil unseres Hostels ist, dass es kein typisches Backpacker-Hostel ist! Hier laufen anstatt 100 Israelis nur ein paar alte Omis und Opis in Unterhosen und Matetee in der Hand durch die Gegend.
Es ist schön ruhig und der Typ an der Rezeption ist auch der absolute Hit! Der ist sooooooooo cool! So cool, das er sich die ganze Zeit mit der einen Hand durch die schulterlangen Haare fährt. Lässig schlurfend läuft er umher und braucht drei Stunden für eine Antwort auf eine simple Frage, dass es einen fast zur Weißglut treibt und man ihn schütteln möchte, damit er endlich aufwacht ;-)
Dafür hat dieser Typ uns den Tipp mit der "HandyStraße" gegeben, wo wir Laschis Handy haben reparieren lassen. Hier, in Buenos Aires ist es wirklich so (in den bolivianischen Städten noch viel mehr), dass es eine Straße gibt, in der es tausend Anbieter eines Produkts gibt und in den anderen Straßen findet man dafür davon keinen einzigen! So gibt es zum Beispiel eine Straße mit 'zig Friseursalons, eine mit 'zig Bücherläden (und trotzdem findet man keinen Lonely Planet für Neuseeland) und eben auch eine mit "vom Lastwagen gefallenen" Handys ;-)
Apropos, kaputt - ich habe mal eine Liste gemacht, mit den ganzen Sachen, die uns alle kaputt gegangen sind...
Angefangen hat es mit Laschis Handyladegerät fürs Auto - das wurde ersetzt und für mein Handy haben wir auch eins gekauft, doch dann habe ich ja mein Handy verloren - echt super, oder?
Dann hat im Yellowstone Nationalpark ein Eichhörnchen ein Stück von unserem Zelt (Fliegengitter) entweder gegessen oder für sein Nest mitgenommen - diese blöden Viecher!
Inzwischen haben beide aufblasbaren Kopfkissen den Geist aufgegeben (Loch drin) und wurden ersetzt. Ebenso wurden unsere Plastikteller ersetzt, wovon der eine schon wieder kaputt ist und wir noch mal zwei neue gekauft haben - im Moment haben wir also drei Teller ;-)
In der Pampa in Bolivien ist mit eines Tages die Hose seitlich aufgeplatzt - habe gedacht, dass kann ich noch nähen, doch am nächsten Tag ist sie dann am Hintern komplett gerissen und ich musste mit meiner Bluse als Rock durch die Gegend laufen ;-) Die Hose war übrigens schon alt und durch gesessen!!! An Gewicht zulegen konnte man in Bolivien wirklich nicht! Mehr dazu später... In Buenos Aires hab ich mir dann 'ne neu Hose gekauft. Es gibt auch eine Liste mit den Sachen, die wir uns neu kaufen mussten, aber die erspar ich euch :-)
Unsere beiden Schlafsack-Inlets - ja, die "Ei-Form" wäre besser gewesen, weil mehr Platz für die Knie - sind schon professionell genäht worden - meins hat eine über einen Meter lange weiße Naht (das Inlet ist blau) ;-)
Nun zu den "Gewichtsproblemen": In Peru und Bolivien haben wir niemanden getroffen, der noch keine Magen-Probleme hatte! Das Essen und vor allen die Zubereitung des Essens sind für deutsche Mägen sehr gewöhnungsbedürftig!
Die Fleischmärkte riefen teilweise schon Übelkeitsgefühle hervor - niemals würden wir dieses Fleisch essen wollen, sagten wir uns - doch was meint ihr, welches Fleisch man im Restaurant auf den Teller bekommt? Eben genau dieses!!!
In Uyuni sahen wir einen Laster der Fleisch anliefert: Die halben Lamas waren in einer blauen Plane eingewickelt und wurden dann auf den Schultern der Männer nach drinnen verfrachtet - die Frage ist, wie oft die blaue Plane gewechselt oder gewaschen wird.
Auf der Uyuni-Tour konnte Laschi einen Blick in die "Küche" werfen, als er nach einer Tasse Kaffee fragte: das gesamte Besteck und auch die Tasse, die er bekam schwammen in einer Schüssel mit dreckigem Wasser und Essensresten.
Nach der Uyuni-Tour war auch tatsächlich unsere gesamte Gruppe krank! Den beiden Kolumbianern ging es schon auf der Rückfahrt schlecht (der eine musste mitten in der Wüste die Unterhose wechseln, weil er gefurzt hatte - kann mir grad das Lachen nicht verkneifen), Andreas und ich hatten noch in Salta mit Durchfall zu kämpfen (was uns nicht davon abhielt die ersten argentinischen Steaks zu essen) und auch die beiden Spanierinnen waren in Salta noch nicht wieder ganz fit...
Gewöhnungsbedürftig war aber nicht nur die Zubereitung, sondern auch die Zusammenstellung: In Bolivien gibt es nicht entweder Pommes oder Reis, hier gibt es immer beides! Hat jemand von euch schon mal Pommes und Reis gleichzeitig auf dem Teller gehabt? Nach vielen "Menu del Dias" konnten wir keine Pommes und trockenen Reis mehr sehen! Das Lama-Fleisch war entweder super lecker oder total zäh - man konnte immer Glück oder Pech haben!!!
Das Gewicht, was man in Bolivien verliert nimmt man dann aber spätestens in Buenos Aires wieder zu! Hier gibt es ein lecker Restaurant neben dem anderen und alles ist so günstig, dass selber kochen sich nicht lohnt!
Beim Campen in Patagonien haben wir dann trotzdem selber gekocht (speziell in den Touri-Gebieten ist es schon teurer), das heißt aber nicht, dass wir dann weniger zu Essen bekommen hätten. Die Portionierung für zwei Leute ist immer etwas schwierig aber übrig lassen kann man ja nichts, weil man ja keinen Kühlschrank hat. Unsere größte Sorge war trotz allem immer, dass wir zu wenig zu Essen haben könnten ;-)
Aus diesem Grund mussten wir dann vor den Grenzübergängen zwischen Chile und Argentinien immer gaaaaanz viel Essen! Man darf keine tierischen und pflanzlichen Produkte einführen - das heißt: kein Käse, keine Wurst, kein Gemüse, keine Früchte und das blödeste: kein Honig!
Die ersten Grenzübergänge liefen ohne Zwischenfälle, da wir vorher nicht eingekauft hatten. Auf der Fahrt von Ushuaia nach Norden, am Grenzübergang von Argentinien nach Chile, fragte mich der Beamte nach: "Frutas?", als ich verneinte fragte er noch mal: "Seguro?" und ich: "Si!"... und was fanden sie bei der Durchsuchung des Autos??? "Tomate y Cebolla" (eine halbe Tomate und eine halbe Zwiebel) - Upps!!! Da aber Sonntag war hatten sie nicht viel Lust sonst etwas zu tun und ich füllte den Zettel einfach ein zweites Mal aus und musste die beiden Sachen in den Müll schmeißen...
Bei einem anderen Grenzübergang fanden Sie in unserer Essenskiste einen Rest Knoblauch, den wir auch mal wieder vergessen hatten... Des weiteren kassierten sie an dieser Zollstation ein gefundenes Stück Holz ein und testeten unser Salz aus der Salar de Uyuni - als die Beamtin daraufhin das Gesicht verzog lachte ihr Kollege sich kaputt und ließ uns passieren.
Grenzbeamter müsste man hier sein - man kann Touris verarschen (einer wollte uns spaßeshalber Handschellen anlegen als ich ihm unseren Parmesan zeigte, winkte dann aber ab, wir sollten bloß abhauen - mit unserem Parmesan), man muss nur ein bisschen Computer tippen und stempeln, man hat eigentlich keinen Stress, es sei denn es kommen drei Touri-Busse hintereinander an, und kann in den Wartezeiten Tischtennis spielen, Matetee trinken und quatschen, grillen oder mit dem Schnüffelhund rumalbern - alles ist immer bereit, einmal stand die Tischtennisplatte mitten im Büro :-)
Überall an Grenzübergängen, in Bussen, auf Campingplätzen, in Hostels trifft man andere Reisende - es sind so viele Leute, vor allem auch Deutsche unterwegs. Zuhause haben wir noch gedacht, dass das, was wir machen schon etwas Außergewöhnliches ist, doch wenn man erst mal unterwegs ist trifft man nur Leute, die das Gleiche machen. Manche sind kürzer unterwegs, manche länger, teilweise hat man genau die gleiche Route geplant, oft trifft man die gleichen Leute immer wieder - und trotzdem macht jeder seine eigenen Erfahrungen und im Endeffekt ist keine Reise gleich! Durch unser gemietetes Auto konnten wir der Hauptreiseroute zwar nicht aus dem Weg gehen (denn hier liegen halt auch die besten Sehenswürdigkeiten), aber wir konnten doch vielleicht etwas mehr sehen als manch andere - so bereuen wir es nicht, das Auto gemietet zu haben, obwohl es nun doch etwas teurer war als erwartet!
Alles in Allem war Südamerika eine echte Erfahrung!
Lima ist zwar nicht unsere Lieblingsstadt, aber der Aufenthalt bei meiner peruanischen Familie war echt klasse - wir haben wirklich nette Menschen kennen gelernt!!!
Die ganzen Touri-Trips in Peru (Machu Picchu, Titicaca) und Bolivien (Pampa, Dschungel, Salar de Uyuni) waren auch super - hier hätten wir kein Auto gebraucht und sicherer hätte man sich damit auch nicht gefühlt! Auch hier konnte man nette Leute kennen lernen und die Landschaften waren sehr beeindruckend, wie man ja an unseren tausenden Fotos erkennen kann ;-)
Buenos Aires gefällt uns auch jetzt immer noch gut - mal schauen wie Silvester wird :-)
In Patagonien haben wir natürlich das Beste mitgenommen (Peninsula Valdes, Ushuaia, Torres del Paine, Perito Moreno Gletscher, Fitz Roy und das argentinische sowie chilenische Seengebiet) doch unser Auto hat uns auch an abgelegenere Ort gebracht!
Die Jahreszeit war genial! Da im Frühling noch nicht soviel los ist wie im Sommer, hatten wir manche Nationalparks quasi für uns allein! Wahrscheinlich hatten wir zusätzlich auch sehr viel Glück mit dem Wetter, denn normalerweise hört man nur Schlechtes vom patagonischen Wetter, wir dagegen können uns nicht beklagen! Es war zwar oft sehr kalt und auch windig, dafür hat es nur ein paar mal richtig geregnet!
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Fazit:
Peru und Bolivien sind sehr gewöhnungsbedürftig, was die Art zu Leben (unfertige Häuser, Müll, Unsicherheit etc.) und zu Essen (Durchfall :-)) angeht - die Sehenswürdigkeiten sind deswegen aber nicht weniger sehenswert!
Nach Patagonien (also Argentinien und Chile) möchten wir bestimmt noch einmal wieder kommen - dann wenn alle Straßen fertig geteert sind ;-) Bei gutem Wetter ist es einfach wunderbar! Die Frage ist, ob man bei einer zweiten Reise nochmal soviel Glück hat?!
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