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Dschungel |
| hinzugefügt von Kilian am 01 Nov 2009 um 10:56 |
Dschungel
Grüne Hölle oder Paradies?
(Wir sind in Uyuni nach der Salzwüste und es hat 25 Minuten gedauert 3 Emails zu lesen; da wir vermutlich noch 1 Stunde warten müssen bis 4 DVDs gebrannt sind, kommen nun die wagen Erinnerungen zum Dschungel)
Es gab die Wahl zwischen 3 und 4 Tagen Dschungel. Das Programm der 4-Tages Tour ist:
1. Tag: Anfahrt mit Boot zur Lodge, Wanderung am Nachmittag und kurze Nachtwanderung;
2. Tag: 5 Stunden Wanderung tiefer in den Dschungel mit der Chance mehr Tiere zu sehen; Aufbau eines primitiven Camps
3. Tag: Wanderung zum nächsten Camp oder größere Wanderung um das aufgebaute Camp
4. Tag: Rückweg zur Lodge und Bootsfahrt nach Rurrenabaque
Wir haben uns natürlich für die 4-Tages Tour entschieden, da man sonst in der Nähe der Lodge bleibt und dies irgendwie zu gemütlich erschien.
Die Bootsfahrt war das erste Abenteuer. Zunächst ging es den Beni-River mit einem langen Einbaum ähnlichen Motorboot hinauf. Der Beni ist halb so breit wie der Rhein, ist braun und hat gut Strömung, das dünne (max. 2 Personen nebeneinander) Motorboot hat aber keine Probleme mit der Strömung. Die Bootsführer fahren gekonnt knapp an meterdicken Baumstämmen die aus Steilufern ragen vorbei. Da die Baumstämme überhaupt nicht vermodert sind, aber von teilweise 2 Meter Kies bedeckt sind, wird einem ehrfürchtig klar, wie viel Wasser hier in der Regenzeit die Flussufer umgestaltet.
Irgendwann bogen wir in einen Seitenarm ab, der deutlich weniger Wasser hatte, aber nicht deutlich schmaler war. Hier ist man insbesondere als Kanute an der einen oder anderen Stelle mit pilzendem Wasser, steilen Kiesbankschwällen oder scharfen Kehrwässern überrascht, wie man denn bloß überall so problemlos durchkommt. Da es immer weiter den Fluss rauf ging wurden die Schwälle immer flacher bis wir irgendwann mit dem Boot aufsaßen und die "Chicos" aus dem Boot springen mussten und im hüfttiefen Wasser das Boot flussaufwärts schieben mussten. Das geschah dann immer öfter bis irgendwann auch die "Chicas" aus dem Boot mussten um irgendwie noch weiter flussaufwärts zu kommen. Hin und wieder gelang es dem Team aus einem Mann am Motor und einem ganz vorne am Boot mit einem langen Stock die flachen Schwälle zu überwinden indem der Mann am Motor so lange Gas gab bis es zu flach wurde und anschließend der Mann mit dem Stock das Boot den Rest des Schwalls hoch drückte (sehr beeindruckend!).
An der Lodge angekommen mussten alle Sachen vom Fluss zu den Wohnhäusern und auf dem Weg sahen wir im Sand Spuren eines Jaguars.
Nach einem Regenschauer, der den Regenwald erst richtig zur Geltung brachte, schlichen wir zu zweit ein wenig in der Nahe der Lodge rum. Wir entdeckten Nasenbären an der Abfallstelle der Lodge, Patricia entdeckte eine Pflanze ähnlich der Brennnessel nur größer was sowohl den Wuchs als auch die brennenden Pusteln betraf und nicht weit vom Fluss entdeckten wir frische (über den Regentropfen) Tapir- und Jaguarspuren. Es war also klar, es wimmelt hier nur so von diesen Tieren und wir werden bestimmt welche sehen, dies war auch ein etwas mulmiges Gefühl also machten wir uns schnell wieder zurück zur Lodge.
- 24 -
Bei einer Wanderung durch den Dschungel trat der Guide gegen einen dünnen Stamm und prompt strömten riesige Ameisen den Stamm hinauf. Ein Foto musste natürlich gemacht werden aber am Stamm kam die Größe nicht wirklich rüber also musste ein Vergleich her. überzeugt davon, dass diese Ameisen mir nicht wirklich weh tuen könnten und wollten, ließ ich eine (freiwillig) über meine Hand krabbeln. Das dreckige Lachen der Guides und die Tatsache, dass die Ameisen "24" hießen sollte mir eigentlich zu Denken geben. Nun krabbelte die wütende Ameise meinen Daumen hoch und anstatt ihn wieder runter zu krabbeln drückte das Insekt mir ihre Kauleisten in die Haut. Ein Foto habe ich noch gemacht, danach versuchte ich erst vergeblich dann mit mehr Not aber erfolgreich die Ameise von meinem Daumen zu schütteln.
Die Nachwehen in Kurzfassung: ich fragte den Guide warum die Ameisen "24" heißen und er sagte mir, dass es 24 Stunden dauert bis der Schmerz nachlässt. Der Daumen wurde rot und dick und brannte ca. 24 Stunden als hätte ich ihn einmal in kochendes Wasser gehalten. Ich sah die Ameisen noch mehrmals aber nah kamen die mir nicht mehr!
Eine weitere unangenehme Begegnung mit Insekten machten wir auf einer Wanderung mit einem Schwarm kleiner Schwarzer Bienen, die direkt am Wegrand nisteten und uns angegriffen. Wirklich erschreckend wenn auf einmal überall Bienen am Körper kleben, man rennt los, würde am liebsten schreien und erst nach ca.10 Sekunden stellt man fest, dass man nicht überall zerstochen ist sondern die Bienen nur versuchen einen zu kneifen. In Anbetracht der Anzahl und der Hartnäckigkeit der Bienen ist die Erleichterung aber nicht von Dauer.
Teilweise waren auch mehrere Quadratmeter Boden mit Ameisen bedeckt und sobald man das Territorium betrat wurde fleißig in die Waden gebissen, so dass man auch hier nur noch Laufen konnte.
Ich glaube jeder wurde irgendwann auf dem Ausflug von einem Insekt gebissen und gestochen.
Insbesondere in der Nähe des Camps im Urwald waren zig Pfade durch den Wald. Angelegt wurden die Pfade von noch viel mehr Pikaris (Wildschweinen). Auf unseren Ausflügen in den Wald gelang es mehrmals eine Gruppe dieser Pikaris aufzuspüren. Man hörte grausige Schreie aus dem Wald (so grausig, dass jeder normale Mensch nicht weiter in die Richtung gehen würde) und früher oder später traf man dann auf eine Gruppe dieser Schweine. In dem Moment indem die Pikaris uns sahen richteten sie ihre Rückenhaare auf und bissen so laut die Zähne zusammen, dass man meinte das ganze Gebiss müsste auseinander fliegen. Wir waren immer froh, dass die Gruppe jedesmal darauf gemeinsam die Flucht ergriff, insbesondere weil der Guide uns erzählte - ab einer gewissen Größe seien die Horden auch zum Angriff bereit.
Die Flüsse in dem Gebiet waren alle braun und warm - einmal rutschte ich von einem Baumstamm, der über ein kleines Bächlein führte und versank knietief im Schlamm. Meine Wanderschuhe wieder sauber zu kriegen hat gedauert.
Aber als wir eines Abends in Fluss neben dem Camp (Kiesgrund und badewannenwarm) saßen die Sterne über uns und in Reichweite der Taschenlampe Kaimanaugen blinzelten wurde einem schon klar was für ein "abgefahrener" Ort der Dschungel ist.
Die Menge an unterschiedlichen Bäumen, Pflanzen, Insekten, Spinnen, Affen, Vögel und anderen Tieren die wir sahen konnte uns auf jeden Fall über die Tatsache trösten, dass wir keine Tapire und Jaguare gesehen haben.
Die unterschiedlichen Erlebnisse, die wir hatten machen den Dschungel auf jeden Fall zu einem der faszinierendsten Orte, die man auf der Erde entdecken kann!
Nach und nach fallen mir immer mehr Details ein, aber da unser Zug nach Villazon bald geht und wir noch was Essen müssen, ist dies das Ende des Dschungelbuchs.