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Erlebnisse einer einjährigen Weltreise.

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In den Anden

hinzugefügt von Kilian am 20 Dec 2009 um 14:15
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Von Ushuaia ging es als erstes zum Torres del Paine Nationalpark in Chile.

Auf dem Campingplatz in Ushuaia hatten wir zwei Franzosen, Clem und Je, kennen gelernt. Die beiden waren schon bei den Torres gewesen, nachdem das Wetter damals aber so schlecht war, dass man von den Bergen absolut nichts sah, hatten sie die Gegend wieder verlassen. Nun wollten sie die Gelegenheit nutzen und mit uns noch mal, auf gutes Wetter hoffend, rauf fahren...

Das Wetter ist immer das Problem mit den Sehenswürdigkeiten hier. Ist es allein schon bewölkt sieht man von den hohen Bergen nichts mehr - man braucht also eigentlich strahlenden Sonnenschein!

Angekommen an den Torres war der Himmel strahlend blau! Wir hatten für etwa 4 Tage Essen eingekauft (danke für den Tipp Schumi), gut so, denn ein Glas Nutella kostet im Nationalpark 10€! Das “W” ist eine der beliebtesten Wanderungen in diesem Nationalpark. Dabei wandert man 4 Tage, schläft unterwegs auf Campingplätzen und schleppt alles mit sich rum. Die beiden ersten Tage waren warm und sonnig (nachts hat es immer noch gefroren), die Torres waren beeindruckend, wenn auch etwas anstrengend. Am dritten Tag wurde das Wetter schlechter und es schneite. Am vierten Tag auf dem Weg zum Grey-Gletscher konnten wir dann spüren was windig in Patagonien heißt. An einzelnen stellen war es kaum möglich zu stehen, kleine Steinchen flogen durch die Luft und piecksten wie Nadelstiche auf der Haut. Ein riesiger Spaß, wenn man die Regenjacke als Schirm nutzt und dabei abhebt und nach hinten fliegt oder wenn man wieder mit Hilfe der Regenjacke Berge ohne Anstrengung hoch laufen kann - man muss nur aufpassen, da einzelne Böen einen immer wieder vom Weg wehen. Siehe Videos!!!

Nach 4 Tagen Wandern und einer kalten letzten Nacht bauten wir unser Lager auch mangels Essensvorräten ab. Der Tag war aber sehr versöhnlich, da die Sonne wieder lachte und die Berge majestätisch aus den zahlreichen vom Wind gepeitschten blauen Seen auf uns nieder blickten. Die Seen haben bei starken Wind mehr Brandung als so manche Meeresküste.

Danach ging's ab nach El Calafate um einen Blick auf den Perito Moreno Gletscher zu werfen (einer der wenigen Gletscher unserer Zeit, der noch stabil ist). Am ersten Abend wurden die vielen Entbehrungen im Torres NP mit Grillen belohnt. Wir grillten mit Clem und Je und jeder hatte mehr als 400 Gramm bestes Rindfleisch und natürlich Wein und Grillgemüse!!

Zum Gletscher ging es dann wieder alleine weiter. Ist man morgens vor 7 Uhr an der Pforte ist der Park kostenlos, da die Ranger erst später aufstehen ;-). Das Wetter ist hier nicht ganz so wichtig und so war es halb so schlimm, dass es wieder manchmal schneite und immer, wenn die Sonne mal nicht scheint sch...kalt war. Der Gletscher endet in einem See und lässt regelmäßig Eisberge in den See ab - “er kalbt”. Das Schauspiel wollten wir gerne sehen doch in den vielen Stunden Warten haben wir nur einige wenige kleinere Eisabbrüche beobachten können; es war wahrscheinlich zu kalt...

Um einem wichtigen Auftrag folge zu leisten und Fotos von uns vor dem Cerro Torre und Cerro Fitz Roy zu machen, ging es dann weiter. Hier hatte das Wetter nichts Gutes mit uns vor. Bei der Einfahrt nach El Chalten sahen wir nur grau. Am nächsten Tag bei der Wanderung zum Cerro Fitz Roy waren die vielen Höhenmeter fast umsonst, da der Berg sich immer in Wolken hüllte. Am Tag an dem wir den Cerro Torre als Ziel hatten klarte der Himmel auf und wir durften diesen “Schrei aus Stein” in voller Pracht bewundern. Die Gute Sicht verlangte einen erneuten Besuch des Fitz Roy und wir wanderten so einen weiteren anstrengenden Tag teilweise ohne sichtbare Wanderwege durch den NP; aber wir haben Fotos von beiden Bergen ohne Wolken!

Danach ging es weiter in den Perito Moreno NP und wir hatten keine Lust mehr auf Wandern oder Berge. Aber der Park erwies sich wunderbar zum Relaxen, vorausgesetzt man hatte wieder genügend Verpflegung mit. Es war der erste Park in dem wir praktisch alleine waren. Keine Busse mit Touris, nur einsame menschenleere Landschaften. Am zweiten Tag fuhren wir zum Lago Baumeister, trotz der Warnungen zweier Rangerinnen, dass es mit unserem Auto nicht geht. Man durfte hier angeln und man sollte wohl sehr viele Fische fangen können. Wir hatten leider mit unseren selbst gebauten Angeln aus Überraschungsei und Angelschnur und Angelhaken die falsche Technik, denn wir fingen leider keinen Fisch. So waren wir auch froh, dass uns abends ein argentinischer Fliegenfischer besuchte und uns eine riesige (0,5m) Forelle fing und am nächsten Morgen wieder fuhr.

Fahren konnte er aber erst nachdem ich ihm sein Auto mittels Draht aufgebrochen habe, da er sich bei laufendem Motor verabschiedete und dabei aussperrte (so konnten wir die Forelle fast verdient essen). Wir haben noch versucht den See zu umwandern mussten aber aufgeben, denn nach einem halben Tag laufen war das Ende des Sees gerade in Sicht und die hohen Klippen am anderen Ufer machten das Ganze unmöglich. Auf dem Rückweg war ein kleiner Schmelzbach am Morgen zu einem braunen schnellen Bach am Nachmittag geworden, so mussten wir uns hier ein wenig länger aufhalten, um doch noch eine Stelle zum Überqueren zu finden.

Auf unserer Fahrt weiter in den Norden hatten wir dann noch ein traumatisches Erlebnis mit einem “Guanakobaby”. Viele Guanakos haben Kleine und laufen sofort weg, wenn man mit dem Auto vorbeifährt. Ein Kleines jedoch blieb am Straßenrand sitzen. Wir hielten an und es rannte nicht weg. Stattdessen stand es auf und kam auf uns zu. Ich stieg aus dem Auto, um ein Foto zu machen und es rannte immer noch nicht weg. Ich vermied jegliche Berührung und wir konnten das Kleine aus nächster Nähe betrachten. Es war sehr interessiert und schien auch durstig. Als wir weiterfuhren rannte es hinter dem Auto her; um es nicht von der Fundstelle wegzulocken (wir hoffen doch, es hatte eine Mutter) gab ich Gas und das Kleine verschwand (scheinbar verzweifelt) rennend in einer Staubwolke :-(

Nun sind wir heute in eine immer grüner werdende Gegend in den Anden Chiles gefahren. Unterwegs konnte man glauben, man sei irgendwo in den Alpen nur vor 400 Jahren, kleine Höfe in einer grünen saftigen Berglandschaft, mit Wiesen, Wäldern, Sturzbächen und schneebedeckten Bergwipfeln.

Unterwegs im Perito Moreno NP hatten wir eine Reifenpanne. Da haben wir uns überlegt, mal den Verleiher bezüglich der Reifenpanne und des Steinschlags zu informieren. In seiner Email sagte er irgendwas von brandneuem Auto... uuups... das gesamte Auto ist mit einer Schlamm- und Staubschicht bedeckt. Nach hunderten Kilometern Schotterpiste rappelt mittlerweile jedes Scharnier an diesem Auto. Wir sind gespannt wie die Rückgabe verlaufen wird!

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