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Erlebnisse einer einjährigen Weltreise.

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Potosi

hinzugefügt von Kilian am 05 Nov 2009 um 15:27
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Postosi ist die höchste Stadt der Welt auf 4070 M ü. NN.

In der Kolonialzeit wurde die Stadt gegründet, um in dem nahe gelegenen Berg reiche Silbervorkommen abzubauen. Das abgebaute Erz hatte einen Anteil von 70% an Silber, die Minen waren also sehr ergiebig und ließen die Stadt zur größten und reichsten in Südamerika wachsen. An den vielen prunkvollen Kolonialbauten sieht man heute noch den ehemaligen Reichtum der Stadt.

Heute wird in den Minen immer noch gearbeitet, die meist indigenen Minenarbeiter sind in Kooperativen zusammengeschlossen und bauen mittlerweile einen Mix aus verschiedensten Metallen ab. Eine Besichtigung der Minen ist möglich und erlaubt vielen ehemaligen Minenarbeitern nun als Touristenführer ihr Leben nicht ganz so schnell auszuhauchen. Man sagt, dass die Lebenserwartung eines Minenarbeiters bei durchschnittlich 40 Jahren liegt, die meisten sollen sehr früh an der Quarzstaublunge sterben.

In einer Gruppe von 7 Leuten fuhren wir erst zum "Miners Market", um den Arbeitern Mitbringsel zu kaufen. Unter anderem kann man hier als Leihe Dynamit und andere Sprengstoffe kaufen. Wir kauften Cocablätter, Coca Cola, Zigaretten und Dynamit.

Nach einer anstrengenden Busfahrt durch die brennende Höhensonne über unbefestigte Straßen kamen wir oben am Eingang zur Mine an. Zunächst war es fast erfrischend der Sonne zu entfliehen und ins kühle, dunkle, unterirdische Labyrinth einzutauchen. Am Eingang wurden uns verschiedene Figuren gezeigt, die wichtige Persönlichkeiten, aber auch die afrikanischen und südamerikanischen Sklaven aus vergangenen Zeiten darstellten. Am Wichtigsten ist aber die in einem extra Raum aufgestellte Figur des Tio. Der Tio ist der Gott des Silbers, dem hier Kostbarkeiten, wie Cocablätter oder Zigaretten oder Alkohol geopfert werden, um sicher und ertragreich Erz abbauen zu können.

Wir trugen alle Helme und extra Kleidung, für beides waren wir sehr dankbar. Die Gänge werden bald, nach dem in der Kolonialzeit ausgebauten hohen Eingang, sehr niedrig und eng. Je tiefer es ging, desto wärmer wurde auch die Luft. Da hier keine Belüftung stattfindet wurde es sehr anstrengend und ein wirklich beklemmendes Gefühl kam auf. Man kriecht auf über 4000 M ü. NN in engen Schächten, stößt sich ständig den Helm an der Decke, muss rauf und runter, die Luft ist durchsetzt mit einem feinen Staub, der von allen aufgewirbelt wird und wenn man in Atemnot kommt, beißt der Staub umso mehr in Lunge und Hals. Zwei aus unserer Gruppe haben die Erkundung der Miene aus diesem Grund auch recht schnell aufgegeben. Während all der Strapazen sieht man die Minenarbeiter per Hand die schweren Wagons durch die Schächte schieben und wie sie mit der Hand die Erze aus der Wand schlagen. Es wird jedem klar, dass das Kauen der Cocablätter zwar die Anstrengung lindern kann, aber nicht die Folgen für den Körper.

Die Gänge sind durchzogen mit schimmernden Erzadern und teilweise mit anderen grünen, gelben oder roten Ablagerungen. Nach einer Dynamitexplosion irgendwo tiefer in den Gängen konnte man den Qualm riechen, der an Silvester erinnert. Nach vielleicht 1,5 Stunden verlor unser Guide komplett seine Stimme und wir kehrten an die Oberfläche zur lange ersehnten frischen Luft zurück. Die ersten Atemzüge waren wie ein Glas kaltes Wasser nach einer langen Wüstenwanderung...

Nun, es steht den Leuten frei hier zu arbeiten, sie verdienen mehr Geld als auf dem Land und können sich so ein wenig Luxus leisten und vielleicht auf einen noch besser bezahlten Job als Leiter einer Minengruppe hoffen. Ich glaube, alle von uns, die mit auf der Tour waren, würden ein Leben als Bauer in den Bergen vorziehen, denn keiner würde die Anstrengung auf Dauer ertragen.

Zum Ende der Tour wurde noch eine Dynamitstange als Demonstration an der Oberfläche gesprengt. Die Explosion in 50 Metern Entfernung ließ den Boden erzittern und mir kam erneut der Gedanke auf noch mehr Stangen zu kaufen und als Silvesterknaller nach Deutschland zu schicken...

Auf dem Rückweg in die Stadt erfuhren wir, dass die nächsten zwei Tage gestreikt wird und wir die Stadt nicht mehr verlassen könnten. Ein wenig Hektik kam auf, als wir versuchen, wie alle anderen überraschten Touris, die letzten 2 Tickets aus der Stadt zu ergattern. Wir hatten Glück, mussten zwar die bezahlte Hostelnacht gegen eine Nachtfahrt im Bus eintauschen, aber sonst hätten wir auch nicht gewusst, was man zwei weitere Tage in Potosi machen sollte.

P.S. am Tag vor der Besichtigung des Bergwerks waren wir unweit der Stadt fast allein in einem warmen Wasserloch (18 m tief und 50 m Durchmesser). Das Wasser war sauber und sehr warm, draußen war es kühl und bewölkt. Patricia hat trotz, dass wir keine Sonne sehen konnten, einen Sonnenbrand gekriegt. Wir haben fast den ganzen Tag dort verbracht. Es war ein tolles Bergpanorama um uns herum. Solch warmen Quellen sind wir in den USA schon begegnet nur dort waren alle weiträumig abgesperrt. Hier hatten wir eine gigantische, private Badewanne.
 

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